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Auch
wer glaubt, die attraktivsten Elemente des Gansabhauet, die goldene Sonnenmaske
und der rote Mantel, würden wenigstens den Brauch seiner "uralten"
Herkunft ausweisen, sieht sich genarrt: Die Utensilien dürften ebenfalls
um 1880 zum Brauch gestossen sein. Und der Gedanke, sie könnten aus
dem Requisitenzimmer der Theatergesellschaft stammen, ist nicht ganz von
der Hand zu weisen.
Dennoch
sind es Dinge, die den Gansabhauet immer aufs neue beleben, wenn um 15
Uhr von der Kirchenstiege die Fanfaren der Clairongarde erklingen und
sich auf der anderen Seite des Städtchens der Zug der Organisatoren
beim Diebenturm in Bewegung setzt.Die
als Schläger ausgelosten Burschen warten indessen ungeduldig in der
Ankenwaage des Rathauses. Schon werden dem Schläger die Augen verbunden,
das Spiel könnte beginnen. Doch halt, zuerst ist noch das obligate
Glas Rotwein zu genehmigen, dann wird dem Burschen die Zipfelmütze
über den Kopf gestülpt, der rote Mantel umgehängt und die
Sonnenmaske aufgesetzt. In der Hand den stumpfen Säbel, schreitet
er, begleitet vom Trommler und Paukisten, die beide in den Stadtfarben
rot-weiss gekleidet sind, zur Bühne, dem Schauplatz des Geschehens.
Dort hängt an einem Draht die tote Gans, die Füsse nach unten
gekehrt. Der Schläger tastet sich vor, ge- und missleitet durch die
unzähligen Zuschauer. Gelingt es ihm wohl, mit dem einzigen ihm zustehenden
Schlag den Rumpf der Gans vom Kopf zu trennen? Der kräftige Bursche
zupft ein paar Federn, prüft die Schlagrichtung-- holt aus. Der Schlag
misslingt. Meist erst nach sechs oder sieben Hieben fällt die Gans
unter dem tosenden Applaus des Publikums. Der glückliche Gewinner
gibt sich zu erkennen und geht mit der gewonnen Gans weg.Mädchen
und Buben versuchen zwischen den einzelnen Auftritten der Schläger
ihr Glück beim "Stangenchlädere". In der Tat gelingt
es einigen, den angestrebten Gewinn vom Rad der fünf Meter hohen
Stange zu holen. Wenn die zweite Gans gefallen ist, beginnt auf der Bühne
emsiges Treiben, das "Sackgompe" ist an der Reihe. Zuletzt sind
es vor allem die Kleinsten, die sich mit ihren Grimassen beim "Chäszänne"
ein Stück Emmentaler ergattern, ihre "Gans".
Das
Publikum ist schon längst in die umliegenden Gasthäuser verschwunden.
In der dunkel gewordenen Altstadt von Sursee lässt man den Martinstag
mit einem feinen Gänsebraten ausklingen. |