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Gansabhauet 11.11.2010 Programm

 

15.00 Uhr Einzug Komitee und Gäste

15.15 Uhr Gans-Abhauet auf dem Rathausplatz Spiele: Stangechlädere,Chäszänne,Sackgompe
17.30 Uhr Lichterumzug
18.30 Uhr Apero Ankenwaage Rathaus

19.00 Uhr Gansessen Tuchlaube

 

 

 

Alljährlich am Martinstag, wenn die letzten Sonnenstrahlen des Martinisömmerchens den Platz vor dem Rathaus von Sursee erwärmen, wird der Gansabhauet als Überrest eines früher weit verbreiteten Brauchtums durchgeführt. Der traditionelle Brauch hat bisher das Geheimnis seiner Herkunft nicht preisgegeben. Freilich drängt sich dem Surseer der Gedanke geradezu auf, man habe dieses Spiel im Anschluss an die Zehtenablieferungen an die Schaffnereien der Klöster St.Urban und Muri vollzogen, gleichsam als befreiende Belustigung nach einem unbeliebten Geschäft.

Wie dem auch immer war, ums Jahr 1820 verschwand dieser Brauch für einige Jahrzehnte und erfuhr 
1863 eine Neubelebung als "das vor Altem übliche und so sehr belustigende Spiel". In den achtziger
Jahren des 19. Jahrhunderts gesellten sich dank der aktiven Mithilfe der damals noch jungen  Zunft 
Heini von Uri andere Spiele hinzu: "Stangechlädere",  "Sackgompe" und  "Chaszänne";  Spiele, die 
noch heute zum Zuge kommen, während andere -- wie das Seilziehen -- in der Zwischenzeit wieder 
aufgegeben wurden.

Auch wer glaubt, die attraktivsten Elemente des Gansabhauet, die goldene Sonnenmaske und der rote Mantel, würden wenigstens den Brauch seiner "uralten" Herkunft ausweisen, sieht sich genarrt: Die Utensilien dürften ebenfalls um 1880 zum Brauch gestossen sein. Und der Gedanke, sie könnten aus dem Requisitenzimmer der Theatergesellschaft stammen, ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Dennoch sind es Dinge, die den Gansabhauet immer aufs neue beleben, wenn um 15 Uhr von der Kirchenstiege die Fanfaren der Clairongarde erklingen und sich auf der anderen Seite des Städtchens der Zug der Organisatoren beim Diebenturm in Bewegung setzt.Die als Schläger ausgelosten Burschen warten indessen ungeduldig in der Ankenwaage des Rathauses. Schon werden dem Schläger die Augen verbunden, das Spiel könnte beginnen. Doch halt, zuerst ist noch das obligate Glas Rotwein zu genehmigen, dann wird dem Burschen die Zipfelmütze über den Kopf gestülpt, der rote Mantel umgehängt und die Sonnenmaske aufgesetzt. In der Hand den stumpfen Säbel, schreitet er, begleitet vom Trommler und Paukisten, die beide in den Stadtfarben rot-weiss gekleidet sind, zur Bühne, dem Schauplatz des Geschehens. Dort hängt an einem Draht die tote Gans, die Füsse nach unten gekehrt. Der Schläger tastet sich vor, ge- und missleitet durch die unzähligen Zuschauer. Gelingt es ihm wohl, mit dem einzigen ihm zustehenden Schlag den Rumpf der Gans vom Kopf zu trennen? Der kräftige Bursche zupft ein paar Federn, prüft die Schlagrichtung-- holt aus. Der Schlag misslingt. Meist erst nach sechs oder sieben Hieben fällt die Gans unter dem tosenden Applaus des Publikums. Der glückliche Gewinner gibt sich zu erkennen und geht mit der gewonnen Gans weg.Mädchen und Buben versuchen zwischen den einzelnen Auftritten der Schläger ihr Glück beim "Stangenchlädere". In der Tat gelingt es einigen, den angestrebten Gewinn vom Rad der fünf Meter hohen Stange zu holen. Wenn die zweite Gans gefallen ist, beginnt auf der Bühne emsiges Treiben, das "Sackgompe" ist an der Reihe. Zuletzt sind es vor allem die Kleinsten, die sich mit ihren Grimassen beim "Chäszänne" ein Stück Emmentaler ergattern, ihre "Gans".

Das Publikum ist schon längst in die umliegenden Gasthäuser verschwunden. In der dunkel gewordenen Altstadt von Sursee lässt man den Martinstag mit einem feinen Gänsebraten ausklingen.